Lauter bunte Hunde

Wenn wir durch fremde Länder reisen, fallen wir meist dadurch auf, dass einer von uns rote Haare hat. Meine Haarfarbe ist weder in Lateinamerika noch in Asien sehr verbreitet. Der Status des bunten Hundes ist mir so gut wie sicher.

Nichts ahnend reisen wir nun ins Hochland von Nicaragua und sehen in Matagalpa plötzlich eine einheimische Familie mit zwei Kindern. Beide haben rote Haare und helle Haut. Was für ein Zufall denken wir uns. Noch nicht im Guesthouse angekommen, spaziert ein rothaariges Mädchen an uns vorbei. Seltsam. Da wir vor acht Jahren NICHT durch diese Gegend gereist sind, können wir uns gewisse Theorien ersparen.

Dies ist Grund genug, uns mal ein bisschen schlau zu machen. Mitte des 19. Jahrhunderts kamen deutsche Einwanderer nach Matagalpa. Nebst dem Gold, welches einige Jahre zuvor in der Region um Matagalpa einen kleinen Goldrausch ausgelöst hatte, kamen um 1850 die Migranten vor allem auch, um Kaffee anzupflanzen. So wurde Nicaragua bereits vor über 150 Jahren zum Kaffeelieferanten der Europäer. Viele, der damals zugewanderten Europäer, haben sich hier in Matagalpa niedergelassen. Über Generationen hinweg haben sich die Europäer und die Einheimischen so durchmischt, dass es in Matagalpa nicht nur überdurchschnittlich viele rothaarige gibt, sondern auch schwarzhaarige, eher dunkelhäutige Einheimische mit stahlblauen Augen. So sehen wir uns plötzlich umgeben von lauter bunten Hunden. Unser Sonderstatus ist für einige Tage suspendiert.